03 September 2012

Erfahrungen sammeln

Und hier ist gleich schon der nächste Eintrag mit einem Bericht von meiner ersten Tour alleine im LKW auf Europas Straßen. Das erste Fazit: Aufregend!
Aber mal von vorne: Am Montag hatte ich eigentlich Fixtermin in Vaihingen zum Klopapier ausladen um 7 Uhr früh. Da ich mir die Woche davor einen Klimaanlagenschnupfen geholt hatte, wollte ich Sonntags alles richtig machen um für die Woche fit zu sein und hab schön einen Kamillendampf gemacht und eine allseits bekannte Schmerztablette eingenommen. Für die Genesung keine schlechte Idee, fürs morgens Aufstehen ne ganz schlechte. Um 6:48 Uhr bin ich aufgewacht! Dumm gelaufen, diesen fehlenden zwei Stunden bin ich dann die ganze Woche hinterher gefahren, also hier schonmal die erste Erfahrung. Dann in Vaihingen an nem größeren Lager den ganzen Zug rückwärts an die Rampe stellen, juhuu. Hat natürlich gleich mal ne halbe Stunde gedauert und einiges an Schweiß gekostet, aber daran sollte ich mich in dieser Woche gewöhnen, dass jedesmal beim rückwärts an die Rampe fahren ne ganz schön anstrengende Angelegenheit sein kann. Die Jungs dort im Lager hatten nicht mit mir gerechnet, da die Ladung laut deren Planung erst für Dienstag eingeplant war, war das Verschlafen zumindest nicht ganz so schlimm. Naja, von Vaihingen aus gings dann weiter nach Germersheim meine Tour für Salzburg holen. Die nächste Erfahrung wartete nicht lange auf mich, Hänger abkoffern und dann Paletten von der Maschine in einen leeren Koffer umladen war ja noch einfach, auch das Abkoffern von der Maschine ging ganz gut. Dann hatten die Leute dort aber einen anderen Anhänger vor meinen gestellt und entladen, so dass mir ein paar Meter gefehlt haben um gerade unter dem Koffer rauszufahren, also ging der nächste Stress los. Hänger abhängen, von Hand die Deichsel drehen und rumwuchten um dann wieder anhängen zu können und den Anhänger unter dem Koffer durchschieben zu können. Irgendwann hatte ich dann alles geladen und war soweit Abfahrtbereit, musste aber noch eine Pause einlegen und hab die gleich mal genutzt um bei der dortigen Spedition zu duschen. Dann gings los Richtung Salzburg, ab Crailsheim dann schön bis Augsburg über die Bundesstraße gegondelt, von Mirko hatte ich einen Tip bekommen, wo ich stehen bleiben und schlafen könnte...hätt ich mal so richtig drauf gehört, aber nein... Am letzen Parkplatz an der Bundesstraße bin ich vorbeigefahren, weil ich auf einen Autohof wollte. Der war dann aber voll. Was tun sprach Zeus? Ich hatte ja noch 25 Minuten Fahrzeit, da wird schon noch was kommen. Nix wars! Als ich bei 4:20 Stunden Fahrzeit angekommen war (4:30 sind maximal am Stück erlaubt) bin ich runter von der Bundesstraße und Richtung Industriegebiet gefahren, da die Zeit immer weniger wurde, hab ich mich dann neben ein Maisfeld gestellt, an dem noch andere Kollegen standen. Dummerweise stand ich mit der rechten Seite vom Zug auf dem unbefestigten Teil der Straße und da waren auch noch zwei riesige Pfützen in denen die Räder zum Teil drinne standen. Es sah eigentlich alles danach aus, als würde es halten, ich hab trotzdem die halbe Nacht nicht geschlafen, da ich echt die Hosen voll hatte, dass mir die Karre ins Maisfeld kippt und ich am nächsten Morgen den Chef anrufen muss, um ihm zu gestehen, dass der Spiegel kaputt ist, weil der LKW drauf liegt ;)
Es ging dann aber alles gut und am nächsten Morgen gegen 6 Uhr gings dann weiter Richtung Salzburg. Auf der Autobahn lief dann alles easy, und eigentlich kannte ich die Abladestelle schon...Eigentlich. Blöderweise hatte ich die falsche Adresse von der Entladestelle bekommen und stand plötzlich mitten in einem Wohngebiet. Ich hab dann in einer Spedition dort mal nach meiner Abladestelle gefragt, da hieß es dann, den gibt es hier schon ewig nicht mehr! Na prima, also in der Firma angerufen und die richtige Adresse bekommen, als ich die Adresse dann ins Navi eingegeben hatte, hab ich festgestellt, dass die Adresse von einem Kollegen schon im Navi gespeichert war! Verdammt, dumm gelaufen. Aber der größte Spaß kam erst noch, der hieß nämlich, wieder aus dem Wohngebiet rauskommen. Die richtige Straße hatte ich auch gefunden, nur dummerweise war ich an der Straße in die ich abbiegen sollte vorbeigefahren. Ich hätte mich ohrfeigen können, aber Lehrjahre sind ja bekanntlich keine Herrenjahre. Somit musste ich im Wohngebiet mit dem Hängerzug 50 Meter rückwärts schieben um in die Straße abbiegen zu können, ging aber alles ohne Schaden über die Bühne. Ein neues T-Shirt hätte ich aber schon wieder brauchen können. Als ich dann endlich an der Abladestelle war gings schon wieder rückwärts an die Rampe, da wars allerdings ein bißchen enger als bei der ersten Abladestelle, aber ich habs hinbekommen, wie ihr hier sehen könnt:

Beim zweiten Versuch stand die Karre so und ich war stolz wie Bolle:


Nach ca. ner Stunde war dann auch alles ausgeladen, da die Möbel auf Paletten geladen waren. Bei nem Imbiss dort hab ich mir noch ein Mittagessen geholt, das es dann auf dem Weg von Salzburg nach Bad Reichenhall gab. Da gings dann weiter mit den Adressen, ich musste zu nem Lager vom Dachser, dass erst neu gebaut wurde und somit war auch die Straße nagelneu und nicht im Nabi eingespeichert. Aber ich bin ja net blöd, dachte ich zumindest und wollte per Google Maps nach ner Straße in der Nähe suchen, aber nix wars. Dort war immer noch Österreichisches Netz und somit kein Internet für mich...Ich stand dann dort erstmal bei ner anderen Firma, bis endlich die Mittagspause im Büro vorbei war und ich den Chef erreicht habe, der mir dann eine Straße in der Nähe sagen konnte. Natürlich bin ich vorher, als ich gesucht habe schon sogut wie vorbei gefahren, hab aber nur das riesige Dachser Gebäude übersehen! Aber es ist doch immer wieder schön, wenn man über sich selbst lachen kann :) Als ich dann endlich vor Ort war gabs dann 10 Tonnen Salz verteilt auf Maschine und Hänger und nach ner Stunde beladen gings weiter Richtung Langenau auch zum Dachser. Dort kam ich dann noch rechtzeitig an um meine Ladung zu bekommen und noch vor Ende der Schichtzeit meine Pause machen zu können. Mal wieder eher unromantisch, da ich zwei Straßen weiter vom Dachser in nem Industriegebiet stand, aber hauptsache ein Platz zum Schlafen. Am nächsten Morgen gings dann weiter Richtung Mannheim, Speyer und Ludwigshafen, ich musste aber noch über Crailsheim fahren um mir Ladungssicherungsmaterial zu holen, da mir das ganze nur mit Gurten gesichert doch etwas heikel vorkam. Abladestellen habe ich dann alle ganz gut hinbekommen, außer dass ich bei meiner letzten Stelle erst um 18:30 Uhr Termin hatte, aber schon um halb vier dort war! Da hieß es dann drei Stunden in der größten Hitze auf dem Hof stehen und warten bis der Pager piepst. Gott sei Dank hat irgendein schlauer Ingenieur die Standklimaanlage erfunden.
An dem Tag war dann aber mit dem rückwärts an die Rampe fahren irgendwie der Wurm drin und es hat ne ganze Weile gedauert, bis die Karre endlich ordentlich stand. Da hatte ich dann mal wieder für Belustigung bei den Kollegen gesorgt, aber Sattelzug kann ja jeder fahren :) Hängerzug ist die wahre Herausforderung. Danach gings dann endlich weiter zum Laden, immer auf der Jagd nach meiner Schichtzeit, die war dann nämlich beim Dachser in Mannheim zu Ende und ich durfte dort an der Rampe schlafen. Das war auch mal wieder eine eher unruhige Nacht, da dort 24 Stunden Betrieb ist und die ganze Nacht entweder irgendwelche Autos um einen herum bewegt werden, oder das Kühlaggregat von einem Auflieger angeht. Und um sechs Uhr morgens haben die ersten Kollegen an die Türe geklopft, wann ich denn losfahre. Zu allem Überfluss war natürlich auch noch die Fahrerdusche kaputt. Na prima, nach dem heissesten Tag der Woche auf nem riesen Betonplatz stehen und keine Dusche, aber egal.
Nach meiner Pause gings dann los Richtung Allgäu, da ich die komplette Strecke nicht in einer Schichtzeit (4,5 Stunden) schaffen konnte, habe ich schön in Bad Wörrishofen Pause gemacht und mir im dortigen Autohof einen Kaffee und eine Dusche gegönnt, Danach gings dann erfrischt und ausgeruht weiter Richtung Kunde. Das Ausladen war dann soweit easy hat alles gut geklappt, ich hatte irgendwelches Granulat und Duschgel geladen. Nach dem abladen gings dann wieder nach Langenau zum Dachser und der Stress ging schon wieder los, da ich am nächsten Morgen Fixtermin hatte, musste ich alles so planen, dass ich rechtzeitig das Auto stehen lasse um meine 9 Stunden Pause zu machen um am nächsten Morgen pünktlich losfahren zu können. Das hat dann soweit auch geklappt, Auto stand um kurz nach halb sechs und ich konnte somit um halb drei wieder losfahren, hatte ja um 7 Uhr Termin in der Nähe von Aschaffenburg und musste noch tanken.
Und dann begann der Horror- Freitag:
Bei der ersten Abladestelle erstmal ans falsche Lager gefahren, gleich die richtige Adresse bekommen und hingefahren, rein zu nem netten Mädel im Lager, mich angemeldet, sie hat sich die Telefonnummer aufgeschrieben und meinte, sie meldet sich, sobald ich an die Rampe kann. Da stand ich dann bis kurz nach 8 Uhr und hab gewartet, als immer noch kein Anruf kam bin ich  nochmal rein zu der guten Frau um festzustellen, dass sie mich vergessen hatte. Na prima und mir wieder einen abgekämpft, bis ich endlich an der Rampe stand, meinen Kram ausgeladen und Leerpaletten eingepackt. Dann gings weiter zur nächsten Abladestelle, da wars lustig, weil man dort als Fahrer in der Pforte gleich mal nett begrüsst wurde mit selbst ausgedruckten Schildern, die vor Freundlichkeit nur so gestrotzt haben. Abladen war dort dann wieder easy, weil ich ja nur noch die Maschine voll hatte.
Dann ging der Scheiß los, ich wollte aus nicht näher zu benennden Umständen an diesem Abend zu Hause sein und hatte diesen Wunsch mehrfach geäußert, vom Chef aus hieß es auch, kein Problem, wir haben Dir zwei gute Ladestellen, da biste schnell fertig. Ja von wegen. In Ludwigshafen war ich bei so ner riesen Chemie Bude, bis ich da die Leerpaletten, dann meine Ladestelle und die Waage gefunden hatte gingen schonmal 1,5 Stunden ins Land, das Laden hat dann ne Ewigkeit gedauert, da ich die Paletten (je eine Tonne) selbst mit dem Hubwagen laden musste. Gott sei Dank hat mir der Staplerfahrer dann doch noch geholfen, sonst hätte ich das Zeugs nicht in die Karre bekommen. Es war wieder Granulat in so Säcken, die dann auf Paletten standen, aber krumm und schief auf der Palette standen und somit nicht sauber geladen werden konnte. Nachdem ich endlich den Hänger voll hatte gings nochmal auf die Waage und ab zur zweiten Ladestelle, da lief mir dann auch schon wieder die Schichtzeit davon, aber fürs Laden und ein Stück weiterfahren hat es noch gereicht. Tja dann stand ich endlich um 17:30 Uhr auf dem Parkplatz Weißer Stock auf der A6 Richtung Heilbronn/Nürnberg und hab auf meine Kollegen gewartet, die mich abholen wollten. Ich hab dann dort ein bißchen gepennt, bis die Kollegen kamen und mich mit nem polnischen Zigarettenlasterfahrer unterhalten. Um halb acht kamen endlich die Kollegen auf den Parkplatz um mich zu holen und wir sind um halb zehn auf den Hof gerollt, man war ich da mal am Ende.
So das war meine erste Woche, mit richtig richtig viel Erfahrungen, aber ich glaube die ganze Geschichte mit den Schicht- und Lenkzeiten lernt man nur wenn man alleine unterwegs ist und den ganzern Kram selbst planen muss. Es hat aber am Ende doch alles gepasst, ich habe meine Fahrerkarte nicht versaut, da ich keine falschen Zeiten drauf habe und ich mich immer an die Gesetze und Vorschriften gehalten habe! Olé.
Demnächst gibts den nächsten Bericht, wir waren in der Zwischenzeit wieder an sehr wilden Abladestellen und in engen Straßen mit dem Großen unterwegs.
Bis denn...

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